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Sommerbericht 2009 - "Nang Sal Grundschule"
Bestandaufnahme der Schulsituation
Die Anzahl der SchülerInnen der Grundschule Nang Sal beläuft sich auf ungefähr 130. Buben und Mädchen sind ziemlich gleich verteilt. Die Grundschule setzt sich aus sechs Klassen zusammen und jede Klasse hat durchschnittlich 20 SchülerInnen. Die Klassen sind altersgemäß ziemlich homogen, wenn man von einigen Ausnahmen ausgeht. Es gibt kaum Fälle wo ein Kind drei Jahre älter als die MitschülerInnen ist. Ein Großteil der SchülerInnen besucht regelmäßig den Unterricht, während die anderen eher unregelmäßig daran teilhaben. Der Grund ist manchmal die Entfernung, aber oft setzen die Eltern ihre Kinder auf der Weide und in der Haushaltsführung ein. Die Schulleitung gibt aber nicht nach und ist beschlossen, diese Schulkinder zurückzugewinnen und diesen Ausfallserscheinungen durch Gespräche mit den Gemeinschaftsoberhäuptern und den einheimischen Lamas entgegenzukämpfen. Es bedarf sicherlich eines kulturellen Wandels, der zuerst in den Köpfen der Leute stattfinden soll und der sich nicht von heute auf morgen vollziehen wird.
Die Kinder stammen aus den Dörfern Jangmar und Pathak, die zirka eine Dreiviertelstunde Gehzeit von der Schule entfernt sind. Sie werden Samstag Abend bzw. Montag Vormittag zur Schule gebracht oder sie kommen selber zu Fuß und bleiben in der Schule bis Samstag um 13 (nach dem Mittagessen).
In der Schule sind die Kinder in großen Schlafzimmern untergebracht und in jedem Raum schlafen im Schnitt 30 Kinder. Aufgrund des Platzmangels sind die Zimmer mit Stockbetten eingerichtet und den Kindern gefällt das sehr, weil sie mehr miteinander sind und weil die Betten selbst eine zusätzliche Spielmöglichkeit darstellen.
 
Der Alltag
Morgens stehen die Kinder um 6.30 Uhr auf und sie begeben sich umgehend in die Klassenräume, wo sie unter Aufsicht einer Lehrperson den Unterrichtsstoff wiederholen oder die Hausaufgaben erledigen. Um 7.30 Uhr waschen sie sich ihre Hände und das Gesicht im Fluss, der neben der Schule rinnt. Daraufhin nehmen die Kinder ihr Frühstuck ein, das sich aus einer Reisbrühe zusammensetzt und um 8 Uhr beginnt dann der Unterricht. Jede Stunde dauert 45 Minuten und anschließend haben die Kinder eine Viertelstunde Pause, in der sie draußen im Schulhof spielen. Um 11.45 endet der Unterricht und die Kinder gehen in die Mensa. Zu Mittag essen sie vor allem Reis mit Gemüse. Normalerweise ist die Auswahl gering und es gibt meist Kartoffeln oder Kohl, aber die Schulleitung möchte in Zukunft das Angebot an Gemüsearten erhöhen, um den Nachteilen einer einseitigen Ernährung vorzubeugen.
Nach dem Mittagessen haben die Kinder 2 Stunden frei, wo sie verschiedene Spiele austragen (z.B. Fußball die Buben und „Gummiband“ die Mädchen). In dieser Zeit spielen Buben und Mädchen meist getrennt, aber es entstehen kaum Konflikte und die Kinder sind sehr selten in Streitereien verwickelt. Im Gegenteil, ich konnte feststellen, dass sie im Vergleich zu Südtiroler Kindern eine größere Toleranz und soziale Verträglichkeit an den Tag legen.
Um 15 Uhr beginnt der Nachmittagsunterricht und er geht bis 16.45 Uhr. Dann essen die Kinder eine kleine Jause und um 17 Uhr haben die älteren SchülerInnen eine Gebetsstunde, während die jüngeren unter Aufsicht einer Lehrperson spielen oder die Hausaufgaben machen.
Um 19.45 Uhr wird das Abendessen ausgeteilt (Menü siehe oben) und dann spielen sie im Schulhof bis 21 Uhr, wenn die Lehrpersonen sie in ihre Schlafzimmer begleiten. Dort legen sich die Kinder umgehend schlafen und zwischen einem Gespräch und einem Scherz vergeht nicht viel Zeit bis sie alle eingeschlafen sind. So klingt jeder Tag ruhig und friedvoll aus.
Die Lehrpersonen sind nicht weit von den Kindern untergebracht und so bekommen sie leicht mit, ob die Kinder etwas brauchen.
 
Schulgelände
Die Schule besteht nicht nur aus den sechs Klassenräumen und den Schlafzimmern (vier große für die Kinder und sieben kleine für die LehrerInnen). In der Schule wohnen auch der Koch und seine Aushilfe zusammen mit ihren Familien. Ferner ist die Schuldirektorin in einem Raum neben dem Speisesaal untergebracht, während der Hausmeister neben dem zweiten Eingang wohnt und somit sieht, wer die Schule verlässt bzw. wer hineinkommt. Lama Bhukyi, der im Auftrag des Vereins Himalayan Seeds den Schulhaushalt führt, verbringt viel Zeit in der Schule und hat ebenfalls ein eigenes Zimmer.
In der Schule befinden sich auch das Lehrerzimmer, ein Archiv, ein Abstellraum für Schulbücher, Schulmaterial und eine Speisekammer. Die Toiletten (Plumpsklos) sind in der Nähe der Klassenräumen angelegt.
 
Der Unterricht
In der Schule werden die Kinder vorwiegend in den Fächern Tibetisch (ihre Muttersprache), Chinesisch (die Zweitsprache und zugleich Staatssprache) und Mathematik unterrichtet. Diese drei Hauptfächer machen den Großteil der Unterrichtszeit aus, weil sie sehr wichtig in der Sekundarstufe (Mittel- und Oberschule) sind. Einmal am Tag nutzen sie die Pause um 9 Uhr 45 um im großen Schulhof alle zusammen zu turnen. Hin und wieder üben sich die Kinder im Zeichnen bzw. sie zeichnen Bilder ab. Das Schuljahr beginnt Mitte August und das erste Semester endet im Jänner. Nach zwei Monaten Winterpause, wo es sehr kalt wird, beginnt das zweite Semester und das Schuljahr endet Mitte August. Im April bzw. im Mai haben die Kinder einen Monat Auszeit wegen der Bhu-Ernte, einer kostbaren Wurzel, die nur im Frühjahr unterirdisch wächst und die Haupteinnahmequelle für die einheimischen Familien darstellt. Der Schulbesuch und die Unterbringung im Heim kostet die Familien nichts und die Schulbücher bekommt die Schule gratis von der Regierung so wie die Schuluniformen. Allerdings müssen die Familien für die sonst notwendige Schulausstattung aufkommen (Kulis, Radiergummis usw.) Am Ende des Schuljahres müssen die SchülerInnen einen Abschlusstest in jedem Lernbereich (z.B. Rechtschreibung, Leseverständnis, Schriftbild, Rechnen usw.) ablegen und das Ergebnis ist dann ausschlaggebend für die Endnote. Die Durchfallquote ist sehr gering und ist mit der Südtiroler Situation zu vergleichen.
 
Daniele Winkler
 
Bozen, am 18. November 2009
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